Fall 2005-05-01



48-jährige Patientin, Lehrerin, Mutter von 3 Kindern (16J, 13J, 7J), vermögend, in geordneten Familienverhältnissen lebend, berufstätig, wird Ihnen zur Überprüfung der Indikation zur Bestrahlung des li. Oberarmes bei nachgewiesenen ossären Metastasen vom Gynäkologen am 12.3.2004 überwiesen. Sie ist sowohl für die ambulante als auch stationäre Behandlung privat versichert. Nach ihren Angaben gibt es in ihrer Familie mehrere Ärzte, aber keinen Radioonkologen. Im mitgebrachten Arztbrief, der vor 1 Woche geschrieben wurde lesen Sie unter anderem:

Diagnose: Metastasiertes Mammakarzinom li (C50.4R, C79.5)
Histologischer Befund: Mittelgradig differenziertes invasiv-duktales Karzinom, ER und PR positiv, Hercept-Score 0 Tumorausbreitungsstadium: pT1c pN0 (0/13) M0 G2 R0 (primär), aktuell: M1 (SKE) Onkologische Anamnese:

1/02

Erstdiagnose der Erkrankung. Patientin tastet selbst einen Knoten in der linken Brust. Eine Biopsie bestätigt das Karzinom. BET sowie Axilladissektion links am 20.01.2002

2-3/02

Perkutane Nachbestrahlung der gesamten linken Mamma mit 50,4 Gy in 28 Fraktionen sowie Aufsättigung der Tumorregion mit 10 Gy in 5 Fraktionen

3/02

Einleitung einer adjuvanten Therapie mit Tamoxifen 20 mg /Tag

7/02-1/04

Regelmäßige fachgynäkologische Nachsorge ohne Hinweis auf Progredienz der Erkrankung

2/04

Plötzlicher nächtlicher Schmerz in der linken Schulter. Eine Röntgenuntersuchung zeigte eine Osteolyse am Übergang vom proximalen zum mittleren Drittel (Halber Durchmesser betroffen). Szintigraphisch erstmalig Nachweis vermehrter Aktivität im linken Humerus sowie im Bereich des Kreuzbeines links. Radiologisch wurde auf eine Frakturgefährdung hingewiesen. Einleitung einer intravenösen Bisphosphonattherapie am 25.02.2004 (Zometa 4 mg, alle 4 Wochen). Beide Tumormarker (CEA und CA 15-3 waren im Bereich der Norm)

Bei der klinischen Untersuchung stellen Sie fest: Patientin in gutem AZ und altersentsprecen-den EZ (KI 100%, 162 cm, 60 kg, RR 120/75, HF 76/Min). Herz- und Lungenbefund ist unauffällig. Abdomen weich ohne path. Resistenzen. Über dem Skelett lässt sich weder Klopf- noch Druckschmerz auslösen. Lediglich im Bereich der Schulter und Oberarmmuskulatur links kann eine pathologische Verspannung festgestellt werden. Patientin berichtet, dass nach der Bisphosphonatinfusion die Schmerzen im linken Oberarm rückläufig sind. Patientin steht der Strahlenbehandlung skeptisch gegenüber, möchte aber keine Fraktur riskieren, da sie beruflich tätig ist.


Bei der Aufarbeitung des Falls beantworten Sie bitte folgende Fragen:

Ist die Strahlentherapie indiziert? Wenn ja warum?
Wer ist der zuweisende Arzt (Auftraggeber)?
Welche Ziele verfolgen Sie?
Wie sieht das interdisziplinäre Behandlungsteam aus (Welche Ärzte sind an der Betreuung der Patientin beteiligt?)
Wie wird die Betreuung der Patientin während der Behandlung organisiert?
Wie gehen Sie vor (Welche Maßnahmen werden durchgeführt?)
Welche Ressourcen stehen Ihnen für diese Behandlung zur Verfügung?
Wer Koordiniert die Therapie während der Behandlung (Sie, der betreuende Gynäkologe oder ein weiterer Arzt?)
Beantworten Sie bitte außerdem folgende Fragen: Wie groß ist Umfang der Behandlung (Dosierung und Zielvolumen)?
Wie lange dauert die Therapie?
Wie aufwendig ist die Behandlung?
Wie groß ist die Bedeutung der Behandlung für die Patientin?
Welche Risiken bringt die Therapie mit sich?
Wie hoch sind die Kosten der Therapie?

Hinweis: Vortrag "Entscheidungen in der palliativen Therapie" unter Lernecke.

Den aufgearbeiteten Fall finden Sie in 6 Wochen unter dieser Adresse.